Ort des Erinnerns: Berufskolleg Gladbeck besichtigt NS-Gedenkstätten in Belgien
Am 20. Februar 2026 machten sich die Klassen DWV2 und DWV3 des Berufskollegs Gladbeck auf den Weg nach Belgien, um das ehemalige SS-Durchgangslager Fort Breendonk zu besuchen. Die Festung war ursprünglich zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Teil eines Verteidigungsrings um Antwerpen gebaut worden und sollte die wichtige Hafenstadt vor Angriffen aus dem benachbarten Ausland schützen. Nach der Besetzung Belgiens durch die Nationalsozialisten im Jahr 1940 wurde das Fort jedoch in ein Haft- und Durchgangslager umgewandelt, in dem politische Gefangene, Widerstandskämpfer sowie Jüdinnen und Juden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden.
Gemeinsam mit einer Lerngruppe der Rosa-Parks-Schule aus Herten und unterstützt durch den „Kinderlehrhaus e.V.“ sowie die Stiftung „Die Zukunftswerker“ fuhren die Schüler*innen mit dem Bus zur heutigen Gedenkstätte. Schon während der Fahrt erhielten sie erste Informationen zur Geschichte des Forts, zur deutschen Besatzung Belgiens und zur Bedeutung des Lagers im System der nationalsozialistischen Verfolgung. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem belgischen Widerstand, der trotz großer Gefahr Sabotageakte, geheime Treffen und Hilfe für Verfolgte organisierte.
Im Anschluss an den Besuch des Durchgangslagers Breendonk fuhren die Klassen zum Soldatenfriedhof in Lommel, auf dem mehr als 39.000 Menschen begraben liegen – vor allem, aber nicht nur, deutsche Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie weitere Kriegsopfer. Auf dem Friedhof ruhen nicht nur Opfer von Krieg und Gewalt, sondern auch Täter – so auch der ehemalige Kommandant von Breendonk, Philip Schmitt, dessen Grabkreuz bewusst ohne Namensnennung gestaltet wurde, damit dieser Ort weder zur Pilgerstätte für Neo-Nazis noch zum Ziel von Vandalismus oder Grabschändung wird. Diese Ambivalenz des Ortes machte den Schüler*innen deutlich, dass Erinnerungskultur immer auch mit schwierigen Fragen nach Schuld, Verantwortung und einem respektvollen Umgang mit den Toten verbunden ist.
Im Berufskolleg selbst wurde zudem die Ausstellung „Verzerrt, verfälscht, verteufelt – antisemitische Karikaturen unter der Lupe“ zum antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“ ausgerichtet. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, wie antisemitische Propaganda funktioniert hat und bis heute wirkt und steht als Wanderausstellung auch anderen Schulen zur Verfügung. Als besonderer Gast besuchte der 1. Stellvertretende Bürgermeister von Gladbeck, Peter Rademacher, die Ausstellung und überbrachte Grüße der Stadt. Bei der Eröffnung der Ausstellung richteten auch Holger Pleines, Schulleiter des Berufskollegs, sowie die Lehrerinnen Dr. Rebecca Quick und Gerda Koch, die Landtagsabgeordnete Christin Siebel und die stellvertretende Landrätin des Kreises Recklinghausen, Martina Eißing, das Wort an die versammelten Gäste.
- Der Soldatenfriedhof in Lommel, Belgien, nahe der niederländischen Grenze.
- „Verzerrt, verfälscht, verteufelt – antisemitische Karikaturen unter der Lupe“ lautet der Titel der Ausstellung, die im Berufskolleg Gladbeck zu bestaunen ist. Als Wanderausstellung kann sie auch von anderen Institutionen geliehen werden.
- Der gleiche Mann nach drei Monaten Aufenthalt in Breendonk wog noch so viel wie ein Kind und starb kurz nach dieser Aufnahme an den Folgen der Misshandlung.




















